Armut – jetzt mal ehrlich

An den meisten Tagen bin ich ein positiver und fröhlicher Mensch. Unser Leben ist nicht immer einfach, gerade wegen unserer oftmals schwierigen finanziellen Situation, und trotzdem versuche ich stehts das Beste daraus zu machen. Ich erfreue mich an dem, was ich habe und bin dankbar für meine unglaublich tolle Familie, meinen liebenden Ehemann und meinen Job, den ich so gerne mache.

Aber eben, eigentlich… Denn es gibt auch diese anderen Tage. An denen es mir nicht mehr gelingt, das Gute zu sehen und einfach alles, ihr entschuldigt, zum kotzen ist. Die, an denen ich nicht genau weiss, wie ich den Kühlschrank füllen oder die so dringend benötigten Gummistiefel kaufen soll. Die, an denen sich mein Mann und ich wieder einmal zoffen, weil die Nerven blank liegen. Die, an denen mir wieder einmal schmerzlich bewusst wird, dass wir arm sind.

Armut macht einsam

Viele verbinden mit arm sein Obdachlosigkeit, Verwahrlosung oder Arbeitslosigkeit. Aber Armut hat viele Gesichter. Und oftmals ist sie unsichtbar. Wir sind eine ganz normale Familie, wir arbeiten beide, Mister T. geht in die Kita, wir haben eine, für meinen Geschmack, hübsche Wohnung. Nichts auffälliges. Wir leben nicht über unseren Verhältnissen, versuchen die Ausgaben jeweils so klein wie möglich zu halten und doch ist oftmals am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig.

Armut macht oft einsam

Und wie schon gesagt, an den meisten Tagen ist es auch gar nicht so schlimm, denn wir schaffen es schon irgendwie. Gemein sind diese Momente, an denen wir nicht am sozialen Leben teilnehmen können, weil das Budget keine Restaurantbesuche oder Eintritte zu Veranstaltungen vorsieht. Weil wir zum x-ten Mal kostengünstige Alternativen suchen müssen oder unsere Freunde mit fadenscheinigen Ausreden vertrösten. Diese Momente schmerzen am meisten.

Armut hat viele Gesichter

Und genau aus einem solchen Moment ist dieser Blog entstanden. Ich möchte nicht mehr unsichtbar sein, ich möchte anderen Familien Mut machen und zeigen, dass sie nicht alleine sind. In der Schweiz waren 2018 3.7% der Erwerbstätigen von Armut betroffen. Das sind rund 135000 Personen. Vielleicht ist eine davon deine Arbeitskollegin? Oder dein Nachbar? Der beste Freund deines Sohnes?

Dies ist der persönlichste Text, den ich je geschrieben habe, also seid bitte gnädig mit mir. Es kostet mich sehr viel Überwindung, diesen zu veröffentlichen, doch im Moment fühle ich mich, als ob ich so aus diesem dunklen Schatten heraustreten kann. Für mich, für Mister T., für unsere Familie.

Was ich mir wünsche? Austausch. Das Gefühl, nicht alleine zu sein. Veränderung. Und manchmal ein Wunder. Oder einfach eine Tasse Kaffee und ein nettes Gespräch.

wir wollen raus aus der armut

Ich glaube fest daran, dass es irgendwann besser wird. Dass wir es irgendwann schaffen, aus der Spirale auszubrechen. Wir arbeiten hart daran.

Habt ihr Gedanken zu diesem Thema? Ich würde mich über einen Austausch riesig freuen.

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