Xochimilco – zwischen Fremde und Heimat

Xolotl und seine Verwandlung

In der aztekischen Mythologie heisst es, dass Xolotl, der Gott des Todes und des Unglücks, sich versteckte, um der Verbannung durch andere Götter zu entgehen. Er verwandelte sich in ein Wassertier und flüchtete in den Xochimilco-See. In der aztekischen Sprache Nahuatl bedeutet atl Wasser. Der Axolotl ist demnach ein „Wassergott“ oder auch ein „Wassermonster“.

Xochimilco, Heimat des Axolotl

Noch heute findet man in den Gewässern Xochimilcos Axolotl, auch wenn ihre Population in den letzten Jahren besorgniserregend geschrumpft ist. Ein Besuch in den schwimmenden Gärten, wie die Kanäle in und um Xochimilco genannt werden, lohnt sich aber nicht nur wegen dieser wunderbaren Tiere. Als Touristenattraktion, aber auch als Erholungsgebiet für die Einheimischen, ist jeder Besuch etwas Besonderes.

Mexiko’s Venedig

Die wohl einfachste, wie auch beliebteste Form, die Kanäle zu entdecken, ist sich eine „Trajinera“, eine Gondel zu mieten. Diese findet man an jedem Anlegesteg, den „Embarcaderos“. Dabei lässt man sich von einem erfahrenen Kapitän mitnehmen auf eine Reise ins mexikanische Venedig. Für den kleinen Hunger oder Durst wird auch während der Fahrt gesorgt, auf den verschiedenen fahrenden Marktständen gibt es allerhand Spezialitäten zu probieren. Und wenn es jemandem zu ruhig wird, dann lässt man sich von Mariachis begleiten oder mietet sich unterwegs eine Musikbox.

Am Wochenende werden gerne Geburtstags- oder Familienfeste auf den „Trajineras“ gefeiert. Ab und zu entdeckt man auch ein Brautpaar, so wie meinen Mann und mich, als wir uns das Ja-Wort gegeben haben. Für mich war von Anfang an klar, dass

Xochimilco

meine Hochzeit in den schwimmenden Gärten statt finden soll. Und nicht nur unsere Gäste aus der Schweiz waren bezaubert von der Landschaft.

Pulque, das Getränk der Götter

Natürlich findet man in Xochimilco nicht nur Wasser und Ruhe. Auch hier ist es laut und wirkt oftmals chaotisch, wie im Rest von Mexiko Stadt. Ein weiterer Besuch wert ist der, einer „Pulqueria“.

pulquePulque wird aus dem Saft der Magueyagave gewonnen und kann nur schwer transportiert und kaum gelagert werden, deshalb ist er auch ausserhalb Mexikos nur wenig bekannt. Die Herstellung des Pulque hat  eine lange Tradition. Bereits die Azteken verwendeten Pulque in religiösen Ritualen und als Medizin. Vor allem bei der harten Arbeit in den Minen und beim Pyramidenbau wurde Pulque als eine Art Schmerzmittel eingesetzt. Noch heute gilt es bei vielen Mexikanern als Nährstoffbooster und wird sogar von schwangeren und stillenden Frauen getrunken, im Glauben, dass es die Milchbildung anregt.

In Xochimilco wird gefeiert

In Mexiko wird grundsätzlich gerne und viel gefeiert. Jeder Feiertag ist ein willkommenes und gern gesehenes Geschenk, dass die Mexikaner auch zu schätzen wissen. Das war mir ja nichts neues. In Xochimilco lernte ich aber ein neues Level kennen.

Da gibt es z. B. den „Niñopa“, eine Skulptur des Jesus-Kindes. Es heisst, der heilige Geist kommt über die Statue und lässt Kranke heilen.

Jedes Jahr, am 2. Februar, wird in einer Messe ein neues Heim für den „Niñopa“ bestummen. Für die Leute in Xochimilco eine grosse Ehre, obwohl die Beherbergung auch mit einigen Pflichten einhergeht. So öffnet man sein Haus für 365 Tage und gewährt jedem, der die Skulptur sehen möchte, Einlass. Dabei sorgt man natürlich auch für Speis und Trank und achtet darauf, dass niemand dem „Niñopan“ zu Nahe kommt.

Man sagt sich, dass es eine Warteliste bis zum Jahr 2042 gibt.

Bei uns zu Hause in Xochimilco ist jedes Kommen des „Niñopa“ ein grosses Ereignis. Meine Schwiegermutter häkelt bereits Wochen im Voraus Kleider, Schuhe und Mützen für das kleine Jesus-Kind. Natürlich nimmt sie auch mit Freude an jeder Prozession teil und versucht, einen Platz so nah als möglich am Träger oder der Trägerin zu ergattern.

Ein anderes, grosses Fess ist „La flor mas bella del Ejido“, die schönste Blume des Ejidos. Ein Schönheitswettbewerb, bei dem die Frauen traditionelle Gewänder tragen und ihren Kopf mit einer Krone aus Blumen schmücken.  Neben der Hauptgewinnerin in der Kategorie der 19 bis 23-jährigen, gibt es noch zwei weitere Wettbewerbe. Einmal den der Mädchen und dann sind da noch die „Señoras“, die etwas älteren, aber immer noch ausserordentlich frischen Blumen 😉

Dieses Jahr war ein ganz spezielles für meine Familie. Meine Nichte gewann in der Kategorie „Mädchen“ den vierten Platz und alle waren mächtig stolz auf sie.

Neben dem Wettbewerb, der ganze acht Tage stattfindet, gibt es einen grossen Blumen- und Handwerkermarkt und unzählige Essens- und Getränkestände.

Eine Liebeserklärung

Wenn mir damals in Cancun jemand gesagt hätte, dass es mich schon bald in die Berge von Mexiko Stadt zieht und ich ein weiteres Mal mein Herz an dieses wunderbare Land verlieren würde, ich hätte ihn wahrscheinlich belächelt.

Doch ich gebe es zu, auch wenn mich der Lärm, die Hektik und die vielen Menschen oft genervt und verwirrt haben, Xochimilco TE AMO, ich liebe dich. Deine schwimmenden Gärten, deinen Markt, deine Pulquerias und die besten Churros, die ich je probiert habe. Und meine riesige Familie.

Ihr plant eine Reise nach Mexiko Stadt und sucht noch Insider-Tipps und -Wissen? Schreibt mir einfach, ich helfe euch gerne so gut ich kann. Oder ihr wart bereits in Xochimilco / Mexiko? Wie waren eure Erfahrungen? Was habt ihr erlebt?

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